AACHENER ZEITUNG zum 30. STONES-CLUB-JUBILÄIM: “Und ´Manni´ springt dem Tod von der Schippe!”

Veröffentlichung online am 10. Juni 2024 / Veröffentlichung im Print für AC-Land am 11. Juni 2024 / Veröffentlichung im Print für AC-Stadt am 12.06.2024

Aachen/Stolberg  30 Jahre Stones-Fanclub

Und „Manni“ springt dem Tod von der Schippe

Die runde Geburtstagsfeier im „Franz“ hätte fast ohne den Clubmanager stattgefunden. Die Ärzte sahen ihn schon unter der Erde.

Totgesagte leben länger: Manfred Engelhardt. Foto: Wolfgang Wynands
Wolfgang Wynands
 

Ein Kämpfer war er schon immer. Als Personalrats-Chef des Studierendenwerks Aachen, als das noch Studentenwerk hieß, und später auch als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Personalräte der Studentenwerke. An die 250 Prozesse, zig Abmahnungen und acht „Kündigungen“ konnten den gelernten Küchenmeister Manfred Engelhardt nicht aus dem Sattel werfen. Auch zuletzt der Darmkrebs nicht. Eine anschließende Sepsis schon.

„Die Ärzte hatten mich schon aufgegeben“, sagt er heute, den Umständen nach wieder putzmunter. „‚Nicht mehr therapierbar‘, haben die Doktoren gemeint“, sagt er – und haben ihn ins Hospiz nach Aachen-Walheim geschickt – zum Sterben. „Jetzt kriege ich hier ein zweites Leben.“ Was passt – das heutige Hospiz war zuvor lange Zeit eine Geburtsklinik. Von hier aus steuert „Manni“ nun die erste Geburtstagsparty: 30 Jahre Rolling Stones Club Aachen/Stolberg, am kommenden Samstag im „Franz“ in Aachen (siehe Infobox). Im Moment wohnt er noch im Hospiz. Für Juli plant er den Umzug heimwärts nach Aachen-Brand.

Das Präsidium des Rolling Stones Clubs schnupperte im Franz schon mal dessen spezielle Atmosphäre. Foto: Wolfgang Wynands

Clubmanager Manni, wird  die Jubiläumsfeier von Beginn an moderieren. Im Stehen und nicht, wie zuletzt, im Rollstuhl. Morgens geht er schon wieder spazieren, zwei, drei Kilometer im Tal der Iter. 74 Jahre, kerngesund, trainierter Sportler – 1999 ist er sogar den „Marathon de Sables“ gelaufen, durch die marokkanische Wüste – und dann das. „Ich habe wirklich gedacht, dass es das jetzt war, und dass ich Charlie Watts von oben trommeln hören könne: ‚Komm rauf‘.“ Doch es kam anders. Die Selbstheilungskräfte waren am Ende doch stärker als von der Ärzteschaft eingeschätzt. Übrigens: Sein Lieblingssong ist „Sympathy for the devil“ …

Seine Einschätzung zur aktuellen Hackney Diamonds Tour der Stones durch die USA: „Mega! Ich denke, sie werden 2025 nach Deutschland kommen, dann ist der Fanclub natürlich mit dabei.“ Die Tour durch die Staaten kann man zeitversetzt, aber immer noch warm, auf der Website des Fanclubs verfolgen. YouTube sei Dank – ein komplettes Konzert, zusammengestellt und kommentiert aus dem Krankenzimmer in Walheim. Die Betreuung der umfangreichen Website des Clubs hat bei der Genesung geholfen. Und auch das ein oder andere aus der eher homöopathischen Ecke. Jedenfalls – Manfred Engelhardt ist auf dem Weg zurück ins Leben, die obligatorische Zigarre schmeckt schon wieder, und auch das Bierchen.

Wenn 1:49 Minuten reichen

Man schrieb also ein paar Tage nach dem 7. Juli 1963, als die Teenager Manfred Engelhardt und Fritz Schnitzler mal wieder vor ihrem „Teddy Boy“ hingen. Kein Knuffeltier, sondern ein von Grundig gebautes Kofferradio. Es dauerte immer eine Zeit, bis man mit den zwei Antennen und dem Drehknopf die richtige Frequenz fand. Die kam aus Richtung London, von der BBC. Und auf der war an jedem Tag Chuck Berrys „Come on“ zu hören. „Aber es war nicht Chuck Berry, was wir da hörten. Es war zackiger, schroffer und vor allen Dingen auch schneller“, erinnert er sich. Eine Inkubationszeit von 1:49 Minuten Mono-Single reichte schließlich, um den Stones-Bazillus zu übertragen.

Die Stones-Club-Geschichte ab da im Schnelldurchlauf: erste Gründung 1963, Clubdomizil bei „Motters Männ“ in Stolberg Buschmühle, Highlight Ausfahrt zu „Stones in the Park“ 1969 (das legendäre Hyde-Park-Konzert umsonst und draußen, das erste der Stones nach dem Tod von Gitarrist Brian Jones und der erste Gig mit Mick Taylor), Anfang der 70er Club-Auflösung („die Jungs“ heirateten, Familiengründungen, zogen unter anderem nach Berlin und Köln). 14. April 1994 „Re-Union“ in der „Mönchsklause“ in Münsterbusch – und im Juni direkt zur Voodoo-Lounge-Tour der Stones.

„Wir sind mit dem Zug nach Köln und haben dann mit 27 Mann gefühlt jede Kneipe auf dem Weg zum Müngersdorfer Stadion mitgenommen. Im Stadion hatten wir dann eine gewisse, sagen wir mal, ‚Sitzschwere‘“, scherzt Engelhardt. Und wieder hatte der Club ein besonderes Konzert erwischt – die erste Tour nach dem Ausstieg von Bill Wyman und mit Darryl Jones am Bass.

 
Nachwuchs am Start: Die „Bali Stoner“ sind Mitglied Numero 615. Foto: Bali Stoner

 

                                  

“Die Stones als Avatare? Dann schau‘ ich mir lieber ein Video an.”

Manfred Engelhardt Clubmanager

Was ist mit dem Stones-Club, wenn die Stones einmal nicht mehr sind? „Naja, ich hoffe, dass die mich überleben“, lacht Engelhardt, wobei Eingeweihte insbesondere bei Keith Richards größere Chancen sehen. „Aber im Ernst: Ich glaube, dann wird ihre Musik noch wertvoller. Das wird einen Schub auch für Coverbands geben“, ist sich Manni Engelhardt sicher. Und er hofft, dass sich Jagger & Co. nicht für eine „Avatar-Geschichte“ wie Abba hergeben. KI gut und schön – „aber dann schau’ ich mir lieber ein Video an, als etwas, was so tut, als wäre es lebendig, es aber nicht ist.“

Der Rolling Stones Club Aachen/Stolberg ist jedenfalls quicklebendig. Über 600 Köpfe zählt der Club mittlerweile, aus ganz Europa, insbesondere Benelux, aber auch in Russland, Südamerika und Südafrika gibt es Mitglieder. Das frischeste Mitglied ist die Numero 615, kommt aus Bali und ist gleich eine ganze, junge Band: die „Bali-Stoner“.

Erst mal will der Club natürlich seinen 30. Geburtstag gebührend mit der Tribute-Band „Gimme Selters“ über die Bühne des „Franz“ schwappen lassen. Aber die Gedanken gehen durchaus auch schon ein Stück weiter darüber hinaus. „Wir haben auf alle Fälle noch ‚The Stars‘ für ein Event auf dem Wunschzettel“, die Stones-Tribute-Band aus München, die die Stones live 2024 abbildet, „mit Bläsern, Background und allem Pipapo“, sagt Engelhardt.

Selters, Backfisch und Zungen auf Rädern

Der Stones-Truck ist in Aachen und Stolberg unterwegs. Foto: Rolling Stones Club

30 Jahre Rolling Stones Club: Samstag, 15. Juni, im Franz (Beginn 19.30 Uhr).
Live on Stage: Gitarrist Achim Roßkopf, Saturday Night Fish Fry (Rhytm‘n‘Blues) und Gimme Selters.
14. Juni: Rolling-Stones-Truck in der Region. Der aufwändig graphisch gestaltete Truck in Privatbesitz (signiert von Ron Wood) steht ab 11 Uhr auf dem Parkplatz Norma (Aachen Rothe Erde), gegen 14/15 Uhr am Edeka-Markt Münsterbusch und ab 17 Uhr bei Mercedes Siebertz (Büsbach). Selbst die Schrauben der Felgen sind mit der Stones-Zunge gestaltet.
Tickets: www.stones-club-aachen.com/vorverkaufsstellen

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> https://www.aachener-zeitung.de/lokales/region-aachen/stolberg/und-manni-springt-dem-tod-von-der-schippe/13704374.html !

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9 Antworten zu AACHENER ZEITUNG zum 30. STONES-CLUB-JUBILÄIM: “Und ´Manni´ springt dem Tod von der Schippe!”

  1. Axel Manze sagt:

    Hey Manni, alter KD-Kumpel und unverwüstlicher Rockhaudegen,
    ich stehe total im Bann des supertollen Artikels in der Aachener Zeitung vom heutigen Tag. Der beschreibt dich so, wie ich dich bei der KD kennen und schätzen gelernt habe, nämlich direkt, aufrichtig, kämpferisch und rockig. Dass du dem Tod nahe gewesen bist, habe ich nicht gewusst. Aber, dass du dem Tod ein Schnippchen geschlagen hast, glaube ich sofort. Ich wünsche dir alles erdenklich Gute für das Gelingen des 30. Club-Jubiläums. Vor allen Dingen wünsche ich dir für die Zukunft Gesundheit, Kraft und Lebensfreude.
    Mit freundschaftlichen Grüßen
    dein
    Axel

  2. Frank Nießen sagt:

    Hallo Manni,
    das sind ja wirklich tolle Neuigkeiten, die im oben genannten Artikel auf der Homepage zu lesen sind. Reiner und ich sind so froh, dass es Dir besser geht und Du im Juli wieder nach Hause kannst. Wir freuen uns für Dich, Deiner Frau und natürlich auch für unseren Club.
    Frank Nießen

  3. Josi & Helmut Klein sagt:

    Lieber Manni,
    das ist für uns der schönste Pressebeitrag, der je über unseren Stones-Club veröffentlicht worden ist.
    Super!
    Mit lieben Grüßen
    Josi & Helmut Klein

  4. heinz peter cormann sagt:

    lieber manni,
    was ich das gelesen habe, grenzt an ein wunder. dein wille und deine kondition, die du ehemals als ulraläufer erworben hast, und the rolling stones haben dich am leben gehalten. ich wusste nicht um deine krankheit, aber freue mich sehr über deine genesung. wünsche dir und dem club zu den bevorstehenden feierlichkeiten alles erdenklich gute.
    let´s go get stones
    heinz peter cormann

  5. Eckhard Bergmann sagt:

    Hallo Manni,

    zunächst mal danke – wie immer – für die Zusendung des Newsletters.

    Sensationell cool, und sehr beeindruckend finde ich den Bericht über dich, deine Krankheit und den Hospiz-Aufenthalt.
    Das alles wusste ich ja im Detail überhaupt nicht.

    Super, dass du demnächst wieder nach Hause kommst.

    Denke mal….nein ich weiß, dass du im Hospiz bestimmt in sehr guten Händen warst/bist, richtig?

    Ich war selbst nämlich als ehrenamtlicher Mitarbeiter eine Zeit lang hier am Ort im Hospiz tätig, und bin und bleibe diesem auch weiterhin sehr verbunden, auch z.Bsp. mit Spenden sammeln usw.

    Es ist übrigens für mich unglaublich, wie viel Arbeit du in dein “Stones Fanclub-Hobby” steckst, speziell auch mit dem Newsletter.
    Mit einem Wort: bewundernswert!!!

    Dir, Manni, auch weiterhin die allerbesten Wünsche und bleib ‘ zuversichtlich!

    Und immer auch daran denken:
    The show must go on, oder um es mit den Worten von Jimi Hendrix zu sagen:
    With the Power of Soul anything is possible!

    Einstweilen beste Grüße und keep on rockin ‘
    in a free world
    Eckhard B. /// Hendrix-Fans.de

  6. Klaus-Dieter & Gisela Schröder sagt:

    Lieber Manni,
    mit großem Interesse haben wir den Bericht in der Aachener Zeitung gelesen und freuen uns sehr, dass du weiterhin auf dem Weg der Besserung bist. Für deinen Kampfgeist und deinen Willen, dich nicht unterkriegen zu lassen, kann man nur Respekt haben. Solche Vorbilder wie dich brauchen wir gerade in der heutigen Zeit. Wir wünschen dir weiterhin alles erdenklich Gute und für die Jubiläumsfeier am Samstag ganz viel Freude und gutes Gelingen, wir werden gedanklich bei euch sein.
    Stonige Grüße aus Minden Klaus – Dieter und Gisela

  7. Vera Tucher & Sohn sagt:

    Lieber Manni,

    es ist für uns faszinierend zu lesen, wie du dich ins Leben zurückgekämpf hast. Das macht dem Song “Street Fighting Man” alle Ehre.

    Wir sagen es mit Gustav von Schmoller (1838 – 1917), Mitgründer des »Vereins für Socialpolitik«

    “Ein ehrlicher Kampf der Überzeugungen und Prinzipien kann der Sache nicht schaden, er kann sie nur fördern!”

    In diesem Sinne wünschen wir dir und unserem Stones-Club eine glückliche Zukunft.

    Rockig, bluesig und stonig

    Vera Tucher & Sohn

  8. Werner Gorressen sagt:

    Hallo Manni,
    für die Geburtstagsfeier am 15.Juni ein passender Song vorgetragen von den Rolling Stones :
    https://www.youtube.com/watch?v=_Dd8OCjUo4s
    Good Times

    Whoa la la ta ta
    Whoa la la ta ta
    La la la die ganze Nacht lang
    Will ich dir sagen

    Whoa la la ta ta
    Whoa la la ta ta
    La la la die ganze Nacht lang

    Komm und lass die guten Zeiten rollen
    Wir werden hier bleiben, bis wir unsere Seelen beruhigt haben
    Es könnte die ganze Nacht dauern

    Die Abendsonne sinkt tief
    Die Uhr an der Wand sagt, es ist Zeit zu gehen
    Ich habe meine Pläne, ich weiß nicht, wie es dir geht
    Ich sage dir genau, was ich tun werde

    Komm in Schwung und lass die guten Zeiten rollen
    Wir werden hier bleiben, bis wir unsere Seelen beruhigt haben
    Es könnte die ganze Nacht dauern

    Es könnte ein Uhr sein und es könnte drei sein
    Die Zeit bedeutet mir nicht so viel
    Ich habe mich nicht mehr so ​​gut angefühlt, seit ich nicht weiß wann
    Ich werde mich vielleicht nie wieder so gut fühlen

    Also komm schon

    Übersetzung Werner Gorressen

  9. Susanne Puppe sagt:

    Lieber Manni,

    ich bin erschrocken und überrascht zugleich von deinem Hospizaufenthalt zu erfahren. Von dieser Leidensgeschichte hatte ich ja keine Ahnung, hast du dich ja diesbezüglich bis dato nicht dazu geäussert. Der Stones-Club nahm für mich seinen gewohnten und über den Blog öffentlichen und informativen Gang.

    Das ist bewundernswert und gebührt meinen Respekt.

    Ich bewundere deine Haltung und dein ungebrochenes Interesse für The Rolling Stones und für unseren Stones-Club.

    Ich wünsche dir auf deinem weiteren Weg zur Genesung das Allerbeste.

    Stonige Grüße

    Susanne (“Susi”) Puppe

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